Hauptmenü
interviews
Interview by Manfred Thanner
MT: Ein neues Album der Deutschen Metalvorzeigeband steht in den Startlöchern und wird die Jungs aus Fulda garantiert den Erfolg bringen, den sie sich in den letzte, Jahren mühevoll erarbeitet haben. Natürlich wollten wir Tobias Sammet ein wenig auf den Zahn fühlen und pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk meldete er sich bei mir. Das neue Album nennt sich Tinitus Sanctus erklär uns ein wenig was uns im Gegensatz zum Vorgänger Album erwartet.
Tobais Sammet (Edguy: Das Album davor hat mich sehr glücklich gemacht, und ich bin auch sehr zufrieden und Stolz darauf. Der Unterschied zum letzten Album ist, dass wir stilistisch etwas entschlossener zu Werke gehen. Wir haben genau das gemacht was wir wollten.Es war uns schon bewusst dabei den Mittelfinder ausgestreckt zu haben und den Leuten gesagt haben, scheißegal, was ihr erwartet, wir machen diesmal genau das was wir wollen. Ok, es wird sicher einige Leute geben, denen die Scheibe nicht gefallen wird, aber wie gesagt war uns einfach ganz egal ob wir Konventionen brechen oder nicht. Tinitus Sanctus geht entschlossener in eine Richtung, also das Material klingt irgendwie in sich geschlossener, zielstrebiger und kommt vielleicht direkter auf den Punkt. Das war zwar nicht beabsichtigt aber ich denke dass die Platte dadurch etwas ernster und vielleicht etwas düsterer rüber kommt, aber das war aber keine bewusste Entscheidung, das hat sich im Laufe des Entstehungsprozesses so abgezeichnet.
MT: Dann wären wir ja schon beim Thema, dass die Cd wenig anders klingt als alles was man sonst von euch gewohnt ist.
Tobais Sammet (Edguy): Also ich denke wir haben uns viel getraut.
Darüber haben wir bei der neuen Platte gar nicht drüber nachgedacht, wir haben einfach gemacht was wir machen wollten. Bei Sascha Paeth haben wir die einzelnen Instrumente noch mal fein geschliffen und eben so aufs Band gebracht, das er eine sehr zielstrebige klar strukturierte Produktion fahren konnte.
MT: Habt ihr schon Resonanzen bezüglich der neuen Platte
Tobais Sammet (Edguy): Ja von verschiedenen Presse und Buisnessleuten. Bis jetzt sind die Reaktionen sehr gut bzw. sogar sehr euphorisch, weil alle Leute das Album für relativ erfrischend halten. Damit hatte keiner so gerechnet, dass wir aus dem üblichen Metal Süppchen in dem wir mitkochen etwas machen können. Es ist für einige sehr erstaunlich, dass wir unsere typischen Edguy Trademarks beibehalten haben und trotzdem dabei nichts Altes wieder aufkochen.
MT: Welches ist dein persönliches Lieblingslied von der Scheibe
Tobais Sammet (Edguy): Das ist ganz schwer zu sagen. Sasha unser Produzent hat auch gesagt das es sehr schwierig ist einen Song heraus zu heben. Wenn du Monetlang daran gearbeitet hast, denkst du immer wieder, ach da ist ja noch ein Song dabei, der ist ja auch noch geil.
Ich finde den Spagat zwischen neuen Elementen und wuchtigen, hymnischen Edguy typischen Refrain orientieren Material wie bei Ministry Of Saints oder Sex Fire Religion sehr gelungen. Aber wir hatten auch nie so einen Song wie Dragonfly dabei, der meiner Meinung sehr viel Tiefgang besitzt. Ich finde auch dass die Ballade Thorn Without A Rose unsere stärkste Ballade bis lang ist. Klar auch wenn sie ein wenig altmodisch klingt, aber solche Songs hatten wir noch nie.
MT: Das Cover ist auch sehr interessant. Vorher hattet ihr ein Comic Cover und diesmal ein kirchliches Motiv. Da die Kirche in Fulda sehr stark ist, glaubt ihr nicht dass ihr dabei Probleme bekommen könnt.
Tobais Sammet (Edguy): Ja, Ja klar. Die sind hier sehr präsent, aber ich glaube nicht dass man uns deshalb die Hölle heiß machen kann. Ich meine, ich würde mich selbst eher christlich bzw. gläubig angehaucht bezeichnen. Da existiert sicher etwas das mehr Macht hat als ich. Das ist halt die altbekannte Frage, darf man über Gott lachen oder ist das Blasphemisch. Ich finde den totalen Blödsinn. Ich kann über meine Freunde lachen, warum soll ich dann nicht über Gott lachen können. Eines sollte trotzdem immer im Vordergrund stehen .Humor darf und kann man immer einbringen, solange es nicht beleidigend oder respektlos ist.
MT: Wie wichtig ist dir die Meinung der Medien, die gehen ja nicht immer zimperlich mit euch um
Tobais Sammet (Edguy): Das ist ganz schwierig zu sagen. Eigentlich würde ich sagen, dass es mir ziemlich egal ist. Ich habe einige befreundete Journalisten, die genauso Musikliebhaber sind wie ich und es passiert des Öfteren dass wir uns auf Konzerten über die Musik unterhalten. Wenn Leute die sich wirklich mit unserer Musik auseinander setzten und offen an die Sachen herangehen, ohne Profilneurose, dann höre ich mir gerne an was sie zu sagen haben. Mir ist das schon sehr wichtig. Im Endeffekt musst du selbst mit dem was du machst, zufrieden sein. Das ist die Hauptsache und nur das kann der einzige Weg sein und eben das sollte man sich das immer wieder vor Augen halten. Es nützt nichts wenn du versuchst Außenstehende glücklich zu machen bzw. den Medien zu imponieren, davon muss man sich bewusst frei machen und manchmal auch mit sehr deutlichen Worten
MT: Wie sieht es eigentlich nach dem Release aus, wird es eine Tour geben?
Tobais Sammet (Edguy): Ja, ja der erste Teil der Tour steht ja bereits. Nächste Woche geht es in die USA. Würde es als Warmup bezeichnen. Zweieinhalb Wochen und die Europatournee startet im Anfang Januar die ersten 23 Shows stehen ja bereits. Leider ist ja Österreich noch nicht dabei. Sieht aber gut aus denn wir werden wahrscheinlich an diesen Block noch zwei Wochen dran hängen und dabei Österreich, Ungarn und Slowenien besuchen.
MT: Wer wird als Support mitkommen
Tobais Sammet (Edguy): In Deutschland, Schweiz, Schweden werden All Ends als Special Guests dabei sein. Auf dem Rest der Tour ist Andre Matos dabei und die Band H.E.A.T ist auf allen Konzerten dabei.
MT: Welche Vorteile habt ihr bei Nuclear Blast die ihr bei AFM nicht hattet
Tobias Sammet (Edguy): Das soll jetzt auf keinen Fall arrogant klingen, aber es ist wirklich so, das wir als Band der Plattenfirma AFM in kürzester Zeit über den Kopf gewachsen sind und das Label es mit ihren 3 oder 4 Mitarbeitern nicht mehr handhaben konnte und es deshalb halt an allen Ecken gebrannt hat. Bei Nuclear Blast ist der große Unterschied das wir jetzt viele Ansprechpartner haben.
MT: Wie schaffst du es eigentlich Edguy und Avantasia unter einen Hut zu bringen.
Tobais Sammet (Edguy): Das ist eigentlich gar nicht so schwer, ist eher eine Organisationsfrage. Ich überarbeite mich nicht, ich habe das Glück alles zu genießen zu können was ich mache. Deshalb empfinde ich es nicht als Stress. Ich hatte Pause mit Edguy und habe deshalb an Avantasia gearbeitet.
Stress wäre es wenn ich zwei Projekte auf einmal machen müsste. Ich meine jetzt zwei Platten auf einmal das wäre auch mir ein wenig zu heavy. Aber Während eines Festivalsommers kann ich locker ins Studio gehen und an Songs arbeiten. Das wechselt sich immer gut ab.
MT: Wie schafft ihr es eigentlich als doch noch sehr junge Band den hohen Qualitätsstandart zu halten.
Tobais Sammet (Edguy): Da denke ich eigentlich wenig darüber nach. Der Schlüssel für das Geheimnis ist es einfach Sachen zu machen auf welche du Bock hast. Wenn man selbst nicht glücklich ist, kann man andere Leute nicht glücklich machen. Deshalb machen wir auch auf was wir Bock haben ganz egal ob wir uns bei einigen Leuten in den Nesseln setzen oder nicht. Man kann es nur gut machen wenn man es genießt und Spaß dabei hat und wir sind in der glücklichen Lage keine bestimmten Termine für Alben zu haben. Die Abgaben des Albums hätten wir genauso gut nach hinten schieben können und wären dabei weder verhungert oder die Plattenfirma hätte uns geschimpft.
MT: Was wärst du geworden, wenn du nicht Musiker geworden wärst
Tobais Sammet (Edguy): Als Stand up Komiker wäre ich verhungert. Was ich mir vorstellen könnte, wäre Stürmer beim FC Bayern, aber mit meinen kurzen Füßen wäre das ein wenig lustig geworden. Das meiste was ich in meinem Leben erreicht habe hatte mit Ehrgeiz und Arbeit zu tun und für Fußball braucht man was Wichtiges nämlich Talent. Naja….
MT: Stimmt es das es vorm ersten Album Savage Poetry auch noch Material gibt. Außerdem ist ja die Orginal Savage Poetry Cd in sammlerkreisen ein Schweine Geld wert. Da kann schon mal passieren das man auf Ebay ein paar Hundert € hinblättern muss.
Tobias Sammet (Edguy): Ja ich weiß und darum haben wir ja die Scheibe nochmal rausgebracht. Zu deiner Frage mit den Tapes .Ja, es gibt noch zwei Demos aber dass sind total beschissene Tapeaufnahmen, die selbst für Sammler eher nicht der Rede wert.
MT: Ich habe von euch ja zwei wirklich kultige Auftritte miterleben dürfen. Der erste war im Vorprogramm von Eternity X in München und der zweite war in Salzburg als Support von Gamma Ray. Das war ja ein Konzert was es in dieser Form nicht mehr gegeben hat.
Tobias Sammet (Edguy): Stimmt, auf Eternity X kann ich mich noch sehr gut erinnern, das war im Rahmen unserer Vain Glory Opera Tour und am Anfang waren nur ein paar Nasen vor der Bühne.
MT: Yes das waren wir 4 Salzburger, den bei Beginn waren wirklich nicht mehr Leute da, was sich dann später ein wenig änderte .Leider lag das nicht an den Bands, sondern an den Veranstalter, der hatte leider das falsche Datum auf den Plakaten angekündigt. Und der Gag bei diesem Konzert war, dass wir dann nach Ende des Edguy Sets vom Veranstalter vergattert wurden, den Bands ihr Essen zu servieren). So fängt man halt an. Und in Salzburg, konnte Kai Hansen von Gamma Ray wegen einer Stimmband Entzündung nicht auftreten. Aber Kai wollte die Show nicht canceln und so wurde in einer Nacht und Nebelaktion, der damals noch relativ unbekannte Sänger Chris Bay (FreedomCall ) eingelernt. So musste der arme Hund in einer Nacht sämtliche Texte der Band auswendig lernen. Aber das Konzert wurde ein voller Erfolg, den bei einigen Gamma Ray Songs wurden die Sänger gewechselt so kam nicht nur Chris Bay sondern auch Rick von Steel Prophet aber auch Tobias Sammet zum Zug.
Tobias Sammet (Edguy): Stimmt, daran kann ich mich noch sehr gut erinnern.
Die Halle war ziemlich voll und ich habe dann zum Publikum gesagt „Ich bin der Polster Toni und such ne Polster Vroni". Das haben nicht alle verstanden, denn ich musste lachen als ich die verdutzten Gesichter sah, aber es war ein klasse Konzert.
MT: So Tobi dann möchte ich mich bei dir für das Interview danken und die letzten Worte gehören dir
Tobais Sammet (Edguy): Vielen Dank für das Interview und es ist so schön dass ihr uns alle so toll unterstützt und interessiert an uns seid. Die Chancen für 2009 stehen nicht schlecht dass wir nach Österreich kommen und dann sehen wir uns alle dort.
(c) by www.metal-underground.at