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Paganfest 2010
feat. Finntroll, Eluveitie, Dornenreich, Varg & Arkona
20.02.2010 Posthof Linz
Alle Jahre wieder kommt das Christuskind bzw. der Osterhase. Für die Fans der Pagan/Viking Szene heißt es dann selbst verständlich dann so: Alle Jahre wieder kommt das Paganfest bzw. das Heidenfest. Ersteres Tourpackage war ja schon wieder eine geraume Zeit unterwegs um alle Hobbykrieger live musikalisch zu unterhalten. Am Samstag machte man Halt im Linzer Posthof und das war natürlich fürs Wochenende die beste Unterhaltung. Bei nordisch, richtig truen Temperaturen bzw. Straßenverhältnissen im Süden von Salzburg machte sich ein Duo vom Metal Underground auf um diesem Event beizuwohnen. Recht früh kamen wir ohne Probleme in Linz an und schon etliche Fans hatten sich bereits versammelt und tummelten sich vor der Halle. Kaum konnten diese den Einlass um 18:00 erwarten. Der Altersdurschnitt lag weit unten, was wohl auch an der Stilrichtung liegt, die wohl eher jüngere Genrerationen anspricht. Der Jugend gehört die Macht und somit wurde der Posthof eifrigst von vielen jungen Weekend Warriros belagert. Doch auch viele ältere Fans waren gekommen und laut Umfragen waren diese eindeutig nur wegen Finntroll gekommen.
Meine persönlichen Favoriten Arkona aus Moskau betraten pünktlich um 19:00 Uhr die Bühne und legten auch gleich ohne Umschweife los. Mensch, wenn ich bedenke dass die Truppe als ich ihre erste Cd „Vozrozhdenie“ von einem Russen bekam niemand in hiesigen Gefilden kannte, hat sich das Rad der Zeit aber gewaltig gedreht. Eine enorme Anzahl an Wikingern hatte sich bereits in der Halle eingefunden und diese begrüßten unter lautem Getöse die Truppe aus Russland. 30 Minuten hatten Masha "Scream"Arhipova (voc), Sergej "Lazar" (guit), Ruslan "Kniaz" (bass) und Vlad "Artist" Sokolov (drums) Zeit um Reden von sich machen und wie sie das machten. Bereits nach den ersten Klängen hatte man die Halle fest im Griff und dieses Publikum feierte eifrig mit den Pagan/Folk Metallern aus dem Osten. Die Ostgoten waren also in Linz angekommen und diese wüteten auf der Bühne gehörig um. Eine gute Mischung wurde uns hier aus russischer Folklore und metallischen Klängen geboten und dazu konnte man einerseits sehr gut abbangen, aber auch viele Auditoren tanzten eifrig durch die Halle um viele mit ihrer Freude anzustecken. Diese ließ nicht lange auf sich warten und so schlossen sich viele dem Treiben an und man ging gewaltig ab zu dem was uns Arkona durch die P.A. jagten. Das blonde, russische Fräulein bewies das sie eine sehr gute Entertainerin ist und diese kam mit ihrem Fell behangenen Kostüm ordentlich ins Schwitzen bei der Performance, denn auch sie hetzte eifrig über die Bühne und brüllte sich durchs Set. Doch wer Masha kennt weiß dass sie einen sehr breitentauglichen Gesang hat. So verzauberte sie uns einerseits sehr gekonnt mit vielen Growls und auf der anderen Seite versüßte sie uns das Gehör wieder mit lieblichen clear Gesängen. Auch ihre Kollegen standen nicht untätig auf der Bühne und ließen den lieben langen Tag, lieben langen Tag sein. Dennoch waren die Burschen etwas verhaltener am Zocken wie ihre weibliche Fronterin. Nach gut dreißig Minuten hatte man schon die Spielzeit gut genutzt und verabschiedete sich gekonnt mit einer tiefen Verbeugung vor dem feiernden Publikum. Diese wollten auch eine Zugabe, bekamen aber leider keine. Diese russischen Krieger müssen unbedingt und bald wieder kommen. Geiler Auftritt, wenn auch mit einem großen soundlichem Manko, den der Soundmann an diesem Abend in noch schlimmere Bahnen lenken sollte.
Die Jungs von Varg sind ebenfalls eine Hingucker und kamen nach einer kurzen Umbauzeit auf die Stage um gleich nachzulegen. Trotz vieler schlechterer Reviews zum letzten Release und Sticheleien sind die Burschen zu einer der angesagten Pagan Metal Band in Deutschland aufgestiegen. Das sah man bereits als die Krieger auf die Bühne stiegen und ebenfalls mit einem lauten Gebrüll freudig willkommen geheißen wurden. Von rot-schwarzer Kriegsbemalung (die ein wenig an TURISAS erinnert) über ein amtliches Posing und guten Bangertracks zum Bangen, als auch Fäuste recken war alles vorhanden, lediglich fehlte hier nur noch eine Pyroshow. Doch glaube bei einer Spielzeit von ebenfalls 30 Minuten hatte der Veranstalter ihnen dies nicht zugesprochen. Philipp "Freki" Seiler (voc & guit), Zasch "Hati" (guit), Timo "Managarm" (bass) und Silvester "Fenrier" Grundmann (drums) punkteten auf ganzer Linie beim Publikum und dieses gab weiterhin alles um auch diesen Kriegern auf der Bühne zu huldigen. Kaum konnten es viele erwarten kam es dann auch, das Statement des Fronters gegen den braunen Mob und dieses wurde lauthals bestätigt. Nach diesem ging die Fahrt auf dem Drachenschiff munter weiter und bei vielen hatte man heimlichen Co - Headlinerstatus. Dies sah man vor allem bei vielen jüngeren Fans die im Varg T-Shirt abgingen wie der sprichwörtliche Tanzbär mit Hummeln im Arsch. Sowas lässt natürlich frohlocken und so hatten die Coburger leichtes Spiel. Dennoch nur auf den Lorbeeren auszuruhen wäre dieser Truppe zu wenig und so steigerten sie sich in einen Blut/Spielrausch und legten eine Granate nach der anderen aufs Bankett. Da mögen über die Spielklasse Kollegen der Fachpresse über „Blutaar“ schimpfen was sie wollen, die Songs aus der ganzen Schaffensphase wurden einer nach dem anderen gierig kleinere, wie auch größere Soundprobleme lässt man sich nicht wirklich störend anmerken. Auch dem Publikum war dies egal und steigerte den Feierrausch bis fast ins unermesslich und schon war es auch wieder vorbei. Unter dem Motto, aufhören wenn es am schönsten ist verabschiedeten sich die bajuwarischen Vikings von uns und zogen von dannen.
Die Jungs von Dornenreich passten vom Line Up her nicht zu den restlichen Bands, dennoch hätte ich nicht gemerkt das man nicht gut ankommt. Bereits unter frenetischem Jubel betrat man als Duo die Stage und legte mit einer folkloristischen Dunkelnummer los. Dachte mir schon Oh je es gibt wieder eine Akustikshow, doch da sollte ich irren. Das Material der Tiroler mag wirklich ein schwer verdauliches sein, doch die Truppe weiß wie sie mit ihrem Gemisch aus dunklen Gefühlen und tiefgründiger Thematik überzeugt. Zwar wurde das Feiern etwas gedrosselt, doch wie im Bann stand das Auditorium da und war sichtlich fasziniert was uns das Trio Eviga (Jochen Stock) (guit & voc), Inve (Thomas Riesner) (violin) und Dragomir / Gilván (Moritz Neuner) (drums) zum Besten gab. Das erwartungsvolle Publikum sah sich sogleich mit einem tosenden Trauerschwall konfrontiert und diese zog einen dermaßen in die tiefste Seele runter. Holla wusste gar nicht dass die Jungs dermaßen geil klingen. Sicher nichts fürs schnelle Gehör, was aber dargeboten wurde war Klangkunst auf oberster Ebene. Nach dem amtlichen Posen der Vorgänger war hier eher mal Ruhe und Besonnenheit auf der Bühne angesagt. Während der Fronter seine Ansage mit dramaturgisch untermalten Gefühlen zum Besten gab, warteten seine Kollegen auf ihren Einsatz. Leider gingen so manche Aussagen unter und Gott sei Dank war der Gesang weiterhin stark. Extrem cremig war der Schlagwerker, dieser Fellgerber ist einfach ein Wahnsinn und war ein absoluter Blickfang beim Spiel mit seinem Kit. Abstrakte Tempowechsel krönten das Set und wurden dennoch gut aufgenommen. Vom Anfang bis zum Ende war man eifrig dabei den Fans alles zu biete und auch wenn man wusste das man jetzt nicht zum restlichen Line Up passte, war man eine willkommene Abwechslung. Dieses Wechselbad der Gefühle wurde von knapp 1000 Besuchern sehr gut aufgenommen und auch nach Beendigung des Sets wären viele von einer Zugabe angetan gewesen. Tja auch hier hieß es, beim nächsten Mal. Geiler, abwechslungsreicher Gig mit einer Band die zwar sehr schwerverdauliches Material hat, aber weiß wie man eine Klangshow auf einer höheren Ebene vollzieht.
Nun lag es an den helvetischen Barden uns wieder in eine andere Richtung zu lenken. Die Jungs habe ich persönlich ja schon lange nicht mehr live gesehen und bei unserem ersten Aufeinandertreffen war ich 2007 sehr angetan. Somit konnte ich den etwas längeren Wechsel und die Umbauphase kaum erwarten, auch das Publikum saß auf stechenden Nadeln und als der Banner hochgezogen wurde, ging ein lauter Aufschrei durch den Posthof. Aha also haben wir es hier mit dem heimlichen Headliner vieler, auch jüngeren Fans zu tun. Zum „Otherworld“ Intro betraten die Schweizer Kelten dann die Bühne und legten gleich mit „Kingdom Come Undone“, „Thousandfold“ von der aktuellen Langrille „Everything Remains As It Never Was“ und „Bloodstained Ground“ vom „Slania“ Album los. Hui, extrem tight was uns nun in einer gut 60 Minuten Show geboten wurde. Von Akustik bis hinüber zu schroffem Viking Metal war alles in der Setlist inkludiert worden und die Spielfreude die uns Christian "Chrigel" Glanzmann (voc, acoustic guit, mandolin, Uilleann), Pipes, Bodhràn, (tin and low whistles, Gaita), Ivo Henzi (guit), Simeon Koch (guit), Kay Brem (bass), Merlin Sutter (drums), Meri Tadic (fiddle, voc), Anna Murphy (hurdy gurdy, voc) und Patrick "Päde" Kistler (bagpipes, whistles) offerierten steckte natürlich sofort an. War noch vorher eine Wankelmütige Gefühlslage in der Halle zu verspüren, so wurde von nun ab wieder kräftigst gefeiert, getanzt und gebangt und das Publikum war sehr angetan von den Schweizern, die wohl den besten Sound des Abends hatten.
Arschtight grooven sich die Musikanten in die Herzen aller und auch jedem noch so ernsten Krieger entlockte man ein sichtlich zufriedenes Grinsen. Während bei der Vorgängertruppe das Trio auf der Bühne etwas unterging, war nun fast schon Platzmangel angesagt. 8 Spielmänner und Frauen agierten hier sehr bewegungsfreudig und hoppelten und tanzten ebenfalls zum Spiel über die Bühne. Weiter zum Tanzen animierte man uns nun mit „Gray Sublime Archon“, „Slania's Song“, „Omnos“ und einem grenzgenialen „Inis Mona“ bei dem die Halle nun endgültig austickte. Bei einem dermaßen aufbrausenden Spielrausch und dem Tanz den die Damen und Herren auf der Bühne boten hatte man wohl genauso viel Spaß hatten wie die Fans davor. Doch ein Ende war Gott sei Dank noch nicht in Sicht. So kündigte man mit Stolz geschwelgter Brust an das man den neusten Release gestern veröffentlicht hatte und natürlich auch etliche Exemplare des Rundlings für die Fans mit gebracht hatte. Dies besiegelte man gleich mit dem Dreizack „Quoth the Raven“, „Nil“ und „(Do)minion“ bevor man den Endspurt einlegte. „An Dro“ und „Tegernakô“ besiegelten das Ende und man hinterließ uns mit einer Sehnsucht dass man doch recht bald wieder in hiesigen Gefilden aufgeigen wird.
Nun lag es am Headliner das Paganfest 2010 zu beenden und die Trolle aus Finnland tobten gleich mit „Blodmarsch“ los. Trotz einer Hülle an Bands und vieler Animier und Mitmachparts war die Halle noch berstend gefüllt. Fintroll habe ich schon seit geraumer Zeit nicht mehr gesehen, wenn ich mich nicht Irre war es das letzte Mal 2003 das ich die Verrückten Helsinki Humpa Metaller gesehen habe. Mathias "Vreth" Lillmåns (voc), Mikael "Routa" Karlbom (guit), Samuli "Skrymer" Ponsimaa (guit), Sami "Tundra" Uusitalo (bass), Henri "Trollhorn" Sorvali (keys) und Samu "Beast Dominator" Ruotsalainen (drums) hatten zwar viel Laune und Spielfreude mit gebracht aber diese konnte man nicht ganz so gut rüber bringen wie all die Vorgänger. Das lag an dem dermaßen schlechten Sound das es streckenweise schon schwierig war überhaupt raus zu kennen was fürs Songs gespielt wurden. Nicht mal der stärkste Gehörschutz half da was. Man erwartet von einem Hauptact ein geile Show, superbes Licht, vielleicht eine gewaltige Pyroshow und allen voran einen geilen Sound das es einem die Lichter ausknipst. Letzeres bekamen wir nicht und war einfach nur ein lautes, bass lastiges Gewummere. Die Finnen schienen wohl nicht viel von alledem mit zu bekommen und legten gleich mit „Dråp“, „Skogens Hämnd“, „Slaget Vid Blodsälv“ und „Den Frusna Munnen“ nach. In der Konzerthalle waren nun alle daran das Ereignis mit grenzenloser Begeisterung zu beenden und so wurde zum Humppa-Folk-Metal der Finnen eifrig abgetanzt und gebangt gleichermaßen. Auch viele Circle Pits wurden gestartet und immer entfachten kleinere Scharmützel wo man abging wie die Feuerwehr. Coole Sache wenn ein Publikum trotz einem dermaßen grottenschlechten Sound so cool abgeht. Finntroll spielten eine riesige Auswahl an Songs aus der kompletten Schaffensphase und so war im Rucksack der Trolle einiges drinnen und man sparte auch mit alten Gassenhauern nicht. Weiter ging es somit mit „Nedgång“, „Korpens Saga“, „Nattfödd“ und „Blodnatt“, bevor wohl die Hymne der Finne schlechthin, nämlich „Trollhamaren“ folgte. Glasklar das nun im Pit die Post abging und alle ausrasteten. Weiter ging der wilde Reigen mit „Kitteldags“, „Aldhissla“, „Under Bergets Rot“, „Svartberg“, „Vätteanda“ und „Fiskarens Fiende“. Alle Songs wurden mit frenetischem Jubel entgegengenommen und nach dem letzten Song trollte man sich kurzzeitig, bevor man mit dem Zugabe Teil noch einmal alle Register zog. Persönlich war ich sehr enttäuscht, bin ja echt nicht der Soundleibhaber, aber bei einem dermaßen schlechten den uns der Soundmann da zauberte war die Freude sehr stark getrübt und das bestätigten Gespräche mit vielen Fans die ebenfalls nur wegen Finntroll gekommen waren und aufgrund des miesen Klangbilds das frühzeitige Weite suchten.
Schade so war man doch etwas betrübt was die Stimmung des Paganfest 2010 betraf, na vielleicht wird das ja bis zum nächsten geändert, den das Heidenfest 2010 (oh welch Wunder) folgt im Oktober mit Ensifeurm, Equilibrium, Swashbuckle, Heidevolk und einem very Special Guest durch die Lande ziehen werden.
Konzertfotos
Für euch vor Ort waren Chris Egger, Robert Huber und im Schlepptau die Katrin
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